OFFENBARUNG UND VERKÜNDIGUNG

Den anderen in seinem Anderssein ernst zu nehmen und zu versuchen, sein Anderssein zu verstehen, ist eine Forderung, die heute mehr denn je an den Christen, und nicht nur an ihn, gestellt wird. Das Konzil formulierte diese Forderung, indem es zum Dialog mit den nichtchristlichen Weltreligionen aufrief, und Papst Paul VI. setzte durch seinen Besuch in Indien ein sichtbares Zeichen für den Willen der Kirche, andere religiöse Überzeugungen ernst zu nehmen und sie mit der Ursprungserfahrung des Christlichen in Beziehung zu setzen.
In den “Indischen Briefen” dieses Buches, die in den Jahren 1955 und 1957 geschrieben wurden, ist eine solche Haltung, die nicht mehr missionarisch-apologetisch im Sinne der bisherigen europäisch-christlichen Überlieferung bestimmt ist, bereits vorweggenommen. Der Verfasser gehört zu den international bekanntesten Kennern und Interpreten des Hinduismus und der religiösen Verhältnisse in Indien. Sein Ziel ist es, durch einen “existenziellen Inkarnationsversuch” eine neue Form des Dialogs zwischen Hinduismus und Christentum zu finden. Seine Briefe behandeln den Geist der indischen Kultur, die Religiosität des Hinduismus, Fragen der Unterscheidung des mystischen vom philosophischen und theologischen Denken und auch praktische Fragen der priesterlichen Existenz in Indien. Seine Kritik am abendländischen Christentum ist auch Kritik an der bloß rationalen Auslegung des Glaubens, die der mystischen Erfahrung der göttlichen Einheit alles Seins, entgegensteht.